GESCHICHTE - 1805
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"Bonjour, Mesdames et Monsieurs!", wir sind fünfzig Jahre weitergegangen und mitten in der so genannten "
Franzosenzeit" gelandet. 1805 hat die Welt hat sich grundlegend verändert: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind entstanden. |
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| Hier in Preußen hat Friedrich Wilhelm III. das Zepter übernommen und wird noch bis 1840 auf dem Thron bleiben. |
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Nur 16 Jahre ist es her, dass in Frankreich die Große Revolution ausgebrochen ist. Schreckliche Dinge hat man hierzulande aus Paris vernommen! Im vergangenen Jahr, 1804, hat sich Napoleon Bonaparte gar zum Kaiser krönen lassen und überzieht nun die ganze Welt mit Krieg! Gerade in diesem Jahr 1805 werden berühmte Schlachten geschlagen: Admiral Nelson besiegt bei Trafalgar die spanisch-französische Flotte, und Napoleon gewinnt die Schlacht von Austerlitz gegen Österreich und Russland. Telgte hat, wie viele deutsche Städte, in dieser "Franzosenzeit" ziemlich zu leiden. Immer wieder ziehen fremde Truppen verschiedener Kriegsparteien durch, mehrfach werden die Telgter Söhne zur Armee rekrutiert. Telgte verliert aber auch wieder und wieder seine Staatsangehörigkeit: nicht weniger als sieben Mal wechselt die Stadt in diesen Jahren die politische Zugehörigkeit. Erst 1803 war Telgte per "Reichsdeputationshauptbeschluss" zum Königreich von Preußen geschlagen worden. Als Napoleon aber 1806 in der Schlacht bei Jena die Preußen besiegt, errichtet er ein französisches Königreich Westfalen. Merkwürdigerweise gehört Telgte nicht dazu, sondern wird wie Münster dem benachbarten Großherzogtum Berg zugeordnet. 1810 setzt Napoleon gar seinen erst vierjährigen Neffen zum Herrscher über das Münsterland ein. 1811 wird Telgte dann Teil des neu eingerichteten französischen Départments "de la Lippe". Diese politischen Veränderungen und damit die ständigen neuen Gesetze und Behörden haben die Telgter vermutlich einigermaßen stoisch über sich ergehen lassen. Gelitten haben sie darunter, dass ihre Männer auf fernen Kriegsschauplätzen in Spanien oder Russland für eine ungeliebte Herrschaft starben, oder dass Väter im Münsterschen Buddenturm eingesperrt wurden, weil ihre Söhne desertiert waren. Ungerecht fanden die Telgter es sicher auch, dass sie für den Bau der neuen Straße von Münster nach Osnabrück Geld bezahlen sollten. Mancher musste gar persönlichen Arbeitsdienst leisten. Und dass, wo die Straße – und damit all die schönen Einnahmemöglichkeiten – an Telgte vorbei gehen sollte. Für die Archive allerdings ergab sich aus den häufigen Wechseln auch ein Vorteil, weil die jeweils neuen Machthaber oft auch aktuelle Berichte über den Stand der Wirtschaft, speziell natürlich der Finanzen, anforderten. Dadurch wissen wir heute, dass die Telgter auf der einen Seite zwar über mancherlei Zwangsabgaben für die Besatzungstruppen gestöhnt haben. Auf der anderen Seite hatte die durch Napoleon verhängte Kontinentalsperre gegen England aber zur Folge, dass Waren aus Telgte besonders reißenden Absatz fanden. Sowohl die Erzeugnisse der Telgter Fayence-Manufaktur als auch die wollenen Tuche von Telgter Webstühlen waren dadurch die lästige britische Konkurrenz los und eroberten sich zwischenzeitlich beträchtliche Marktanteile. Die Leineweber hatten dagegen erhebliche Probleme, weil sie nicht mehr nach England exportieren konnten. Das dürfte auch den Handel der Familie Böhmer betroffen haben, der inzwischen auf Manufakturwaren ausgeweitet wurde. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb? - gründet der jüngste Sohn von Johann Anton, Johann Christoph Böhmer, die "Böhmersche Privatbank". Auch das ist, unternehmerisch gesehen, nicht ganz so ungewöhnlich, wie es heute scheint. Mehrere Telgter Kaufleute waren im 19. Jahrhundert auch Bankiers, gaben Kredite oder nahmen Spareinlagen an. Allerdings scheint Johann Christoph Böhmer früher als die meisten auf diese Idee gekommen zu sein. Brennerei und Landwirtschaft werden selbstverständlich weitergeführt. Vermutlich ist mein Urahn nun schon mehr Kaufmann als Bauer, und wir können uns vorstellen, wie er sonntags im Kreise der sittsam gekleideten Familie durch die Kapellenstraße zur Clemens-Kirche schreitet. Wie sein Vater trägt er noch immer Kniehosen, aber wenn sich seine Frau Anna Gertrud ein wenig für Mode interessiert, dann versucht sie sicher schon, ihrem Gemahl die modischeren langen Hosen schmackhaft zu machen. Über dem Hemd wird ein farbiger Frack getragen, und darüber ein farblich nochmals abgesetzter Spencer. Weiße, geknotete Halsbinde und ein hoher Hut vervollständigen die Feiertagskleidung, mit der man in Telgte um 1805 als wohlhabender und weltläufiger Mann gilt. Es ist nicht zu übersehen, dass Napoleons Garden auch die Mode ihrer Zeit beeinflusst haben. Seine Frau müssen wir uns in Kleid und Mantel vorstellen. Von der üppigen Weite des vergangenen Jahrhunderts ist bei den Röcken nicht mehr viel übrig geblieben. Überhaupt hat sich die gesamte Silhouette der Damenmode verändert: Alles hat sich ein Stück nach obern verschoben. Die Kleider schleifen nicht mehr auf dem Boden, sondern geben erstmals den Blick auf die Füße frei, und die Taille wird weit über die Körpermitte hinaus nach oben verlegt. Der so genannte Empire-Stil mit Puffärmelchen, langen Handschuhen und – ganz wichtig und geradezu unverzichtbar – mit Fächer ist geboren. |
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